6 MONTHS AU PAIR IN THE USA – 6 THINGS I’VE LEARNED. SO FAR.

WAAAAAAAAAAAAAAAAAS geht denn bitte bei der Zeit? Muss sich verzählt haben oder so, das hier fühlt sich sicherlich noch nicht wie 6 Monate an. Sind’s aber. Hab mehrfach nachgezählt. So langsam realisiert man, dass man tatsächlich eines Tages diesen Ort wieder verlässt. Und dass man sein Kind hier wieder verlässt. Alles hat sich verändert und alles wird sich bald wieder verändern. Und nach 6 Monaten realisiert man dann auch irgendwann plötzlich, ganz ohne Vorahnung, dass man sich selber auch verändert hat.

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In meinen 6 Monaten hier ist viel passiert, ich hab viel gesehen, gefühlt, viele neue Menschen kennengelernt, viele Gespräche geführt, ein zweites Leben aufgebaut. Wenn man sein gewohntes Umfeld verlässt und so ein „Abenteuer“ erlebt ist es ganz natürlich, dass man neue Erfahrungen macht und zwangsläufig verändert alles, was wir erleben, uns. Und so musste ich auch einige Sachen verstehen und lernen und realisieren. Manche gut, manche echt ganz schön kacke. Und hier sind sechs davon!

1. DIE ELTERN SCHÄTZEN ZU WISSEN. Ich hab meine Eltern immer als eine Selbstverständlichkeit angesehen. Sie waren ja schon immer da. Jeden Tag. Mein ganzes Leben. Wenn mein Laptop rumgezickt hat hab ich Papa gerufen. Beim Auto genau so. Beim Handy auch. Eigentlich immer. Musste ich große Entscheidungen treffen hab ich Mutti gefragt. Eigentlich auch bei kleinen Entscheidungen. Immer mal wieder „Kannst du mir einen Gefallen tun?“. Und hier? Nope. Musste selber machen. Musste in der zweiten Woche hier selber zum ersten Mal ein technisches Problem lösen. Musste selber entscheiden mir ein neues iPhone zu kaufen. Und daran das krasseste: ich bin ALLEINE in den Store gegangen und hab ALLEINE das Handy gekauft. In Deutschland würde ich das niiiiiiiiiie ohne meinen Papa machen. Hab das iPhone nach ner Panne dann auch ALLEINE repariert. Wenn die Eltern nicht jeden Tag da sind merkt man erst, was man an ihnen hat. Und wie viel sie für einen tun und getan haben. Besondern, wenn man dann zum dritten mal innerhalb von 2 Stunden eine Durchfallwindel wechselt. Danke Mama und Papa, dass ihr mich nicht in die Kinderklappe geschmissen habt

2. ÜBERRASCHUNG! Du wirst nicht fürimmer mit jedem befreundet bleiben – hier merkt man schon ganz deutlich, wen man in 5 Jahren nur noch auf Facebook sieht. Manche melden sich noch einmal im Monat. Manche schicken man n Snap. Manche kommentieren auf Instagram. Mit manchen werden die Gespräche immer oberflächlicher.  Ich weiß bei manchen Freunden schon, dass ein Ablaufdatum auf unserer Freundschaft sitzt. Und das ist beängstigend. Aber auf der anderen Seite merke ich auch, wer eventuell für immer da sein wird. Mit meinem besten Freund stehe ich täglich im Kontakt. Mit meiner besten Freundin mindestens wöchentlich – wir sind beste Freunde seit über 18 Jahren. Mit meinem Bruder habe ich vielleicht dreimal in 6 Monaten Kontakt gehabt – aber ich weiß einfach, wenn ich zurückkomme hat sich nichts verändert.

3. WILL ICH WIRKLICH KINDER HABEN? DAS ist mein größter Schock hier gewesen. Ich war mir immer so sicher, dass ich mindestens zwei Kinder haben werde. Nach zwei Wochen hier hab ich mich dann gefragt ob ich überhaupt auch nur eins haben will. Versteht das nicht falsch, ich LIEBE meinen Kleinen hier. Und auch wenn der Job verdammt anstrengend ist und mich schon oft fast in nen Heulkrampf getrieben hat, bin ich mir sicher dass all diese Arbeit ein Kind wert ist. ABER was ich glaube ich nicht könnte, ist so viel Freiheit aufzugeben. Meine Gasteltern sind die meiste Zeit zuhause. Gehen um 8 Uhr schlafen. Egal wohin man will, alles muss geplant werden. Man kann nicht einfach abends mal ins Kino gehen. Ganz sicher nicht feiern gehen. Man braucht einen familienfreundlichen Urlaub. Alles wird komplizierter. Und das alles für bestimmt mindestens 13 Jahre.

4. WIE VERDAMMT JUNG ICH BIN. Ich dachte mir dieses Jahr so: WOW. Ich bin 18. Ich hab jetzt Abi. Ich ziehe in ein anderes Land. SO ERWACHSEN. Und dann komm ich hier her und innerhalb von einer Woche höre ich „omg, 18?? how cute!“ jap, ich bin hier tatsächlich immer die jüngste. Eine meiner besten Freundinnen hier ist 27. Ich merke deutlich wie viel reifer sie ist, wie viel selbstbewusster sie ist, wie viel mehr sie sich durchsetzen kann und wie viel mehr Erfahrung sie hat. Ich bin das Baby hier, und ich find’s nicht schlimm. Ich kann jeden Fehler den ich mache noch auf mein Alter schieben. Und es ist so so so so verdammt beruhigend zu sehen, dass man mit 27 sein Leben noch lange nicht im Griff haben muss. Meine Freundin fängt sobald sie zurück in Europa ist ein neues Studium an. Jess ist 35.  Momentan arbeitet sie nicht, hat keine Kinder, will auch keine, kein Boyfriend, kein Ehemann, keine Wohnung. Im November spontan auf Thailand-Reise gegangen, seit Januar für 5 Monate in Italien. Sie hat ihr Leben definitiv noch nicht traditionell im Griff. Aber auf ihre eigene Weise irgendwie schon. Ich hatte nie ein Vorbild in meinem Leben, aber jetzt kann ich sagen, wenn ich 35 bin will ich genau so sein wie Jess.

 5. FAUL SEIN IST NICHT COOL. Jap, das kommt aus meinem Mund. Ich, die den Hashtag #lazychick ins Leben rief. Ich hab meine Wochenenden oft im Bett verbracht. Eigentlich auch meine Wochentage. Anstatt für die Schule zu lernen habe ich Netflix glorifiziert und habs gefeiert, konnte immerhin ne #relatable instagram caption dazu schreiben. Aber seit ich hier bin sieht das anders aus. Ich arbeite 9 Stunden am Tag. Von 8-17 Uhr. Danach kochen wir als Familie zusammen Dinner und essen auch zusammen, somit wirds schonmal 19 Uhr. Um spätestens 21 Uhr muss ich ins Gym und danach schon bald schlafen. Das bedeutet, ich habe ungefähr 2 Stunden + mit Glück mittags während Nap-Time Zeit um sämtliche Blogarbeit, Instagramarbeit und persönliche Dinge zu erledigen. Wenn ich da rumfaulenze kriege ich nichts fertig. Und ohne Witz, es fühlt sich 748399202020x besser an produktiv zu sein als am Ende des Tages nichts geschafft zu haben.

6. Ich denke in falschen Dimensionen. In Deutschland wohne ich 3.5 Stunden von Amsterdam, 4 Stunden von Berlin, 1.5 Stunden von Hamburg, 8 Stunden von Paris, 6 Stunden von Prag. Und trotzdem bin ich in den meisten dieser Städte fast nie bis sehr selten oder alle paar Monate. Ist zu weit weg. Lohnt sich net. Aber HIER fahre ich gerne 8 Stunden an einem Freitag Spät-Nachmittag los um für 1.5 Tage in einem Nationalpark am anderen Ende von Kalifornien zu sein. 2.5 Stunden nach L.A. fahre ich alle paar Wochen. 5 Stunden Fahrt zum Death Valley? „Lol, voll nach dran, lass mal nächste Woche hin“. Wenn man erstmal die amerikanischen Entfernungen erlebt merkt man wie nah alles in Europa ist und wie wenig man das ausnutzt. Sobald ich zurück bin werde ich sicher einige Wochenenden mal verschwinden 😉


WHAAAAAAAAAT is going on with the time? Must have calculated it wrong, this for sure doesn’t feel like 6 months. But they are. Counted them a few times. Slowly I realize that one day, not too far away, I am gonna leave this place again. And my kiddo here. Everything has changed and soon everything will change again. And after 6 months you suddenly realize, without any warning, that in fact it is yourself that has changed. 

In my six months here a lot has happened, I saw a lot, felt a lot, met a bunch of new people, had many talks and built a second life. When you leave your usual habitat and go on an „adventure“ is is only natural to make new experiences and in the end everything we experience changes us. And so I also had to understand and learn and realize some stuff. Some good, some quite some shit. And here are six of them!

1. VALUE YOUR PARENTS. I always took my parents for granted. They have always been there. Every day. My whole life. When my laptop was going mad I called my dad. Same with my car, my phone, my everything. If I had to make big decisions I asked my mom. Actually, also with little decisions. All the time „can you do me a favor?“. And here? Nope. You gotta do it yourself. In my second week here I had to solve a technical problem by myself for the first time EVER. I had to decide ON MY OWN to buy a new iPhone and now don’t fall outta whatever you are sitting in but I went to the store ON MY OWN and bought the phone ON MY OWN. In Germany I would have neeeeeeeever done that without my dad.  Only when your parents are not around everyday anymore you realize how lucky you are to have them. How much they do for you and how much they have already done. Especially when you change that kiddos diarrhea diaper for the third time in two hours. Thanks mom and dad, for not giving me up for adoption yet.

2. SUPRISE! You won’t be friends with everyone forever. Here I clearly notice who I will only encounter on facebook in 5 years. Some people text me once a month, some send a snap, some comment on instagram. An uncomfortable bunch of conversations become superficial. I know that some of these friendships have an expiration date. And that’s terrifying. But on the other side I am happy to realize that there are people who might stay around forever. I am in contact with my best guy friend every single day. I am talking with my best friend at least once a week – we are best friends since more than 18 years, I guess that will never change again. I texted like 3 times with my brother in the last six months but I just know that when I come back nothing will have changed.

3. DO I REALLY WANT TO HAVE CHILDREN? THIS is by far the biggest shock I had here so far. I was always so sure that one day I am gonna have at least two little ones. And after just 2 weeks at the job I wasn’t sure anymore if I even wan’t one. Don’t get me wrong! I love my kiddo here. SO MUCH. And even though this job is hard and sometimes brings me close to a break down I am sure a kiddo is worth all this work. BUT what I can’t do – at least not at my current mindset – is to give up so much freedom. My hostparents are home most of the time. Going to bed at 8. No matter where you want to go, you gotta plan everything. No spontaneous „let’s go to the movies“ or “ hey we are having a girls night, come over!“.  Everything gets more complicated for at least 13 years and I don’t know if I’ll ever be ready for that.

4. HOW EXTREMELY YOUNG I AM. This year I thought: WOW. I am 18. I graduated. I am moving to another continent. I AM SO GROWN UP. And then I come here and within less than a week I hear „oh you’re 18? how cute“  yep, I am ALWAYS the youngest here. One of my best friends here is 27. I totally notice how she is more mature than me, can stand up for herself more easily and how much more experience in life she has. I am the baby here and I don’t mind. I can still push every mistake I make onto my age. And it is so so so so so comforting to know that even with 27 you don’t have to have your life together. As soon as my friend gets back to Europe she’s gonna start studying again. Jess is 25. Right now she’s not working, is single, doesn’t have kids – doesn’t want some, no real place to live. Short time ago she spontaneously went on a thailand trip and now she’s in Italy for 5 months. Traditionally she doensn’t have her life together, but in her own way she does. I never had someone I would call „my rolemodel“ in my life but now I can say: When I am 35 I want to be like Jess.

5. BEING LAZY IS NOT COOL. Yep, that just came out of my fingers. From me, who invented the hashtag #lazychick. I spent my weekends in bed all the time, I even spend my weekdays in bed all the time. Constantly complaining that I didn’t get stuff done because I didn’t have enough time. Instead of studying I glorified Netflix. But it was all cool, because I could write a #relateable caption about it on Instagram. Since I moved here that changed a lot. I work 9 hours a day, from 8-5. We usually cook and eat together as a family so by the time I get to do my own stuff it’s 7pm.  At 9pm I need to go to the gym, that leaves about 2 hours and with some luck 1-3 extra hours in case the kiddo naps to get all my blog work, instagram work and personal stuff done. If I just chill around wasting time in those hours I won’t ever get ANYTHING done. And btw, it feels 980982417283x better to get shit done than scrolling through your phone. 

6. I AM THINKING IN WRONG DIMENSIONS. In Germany I live 3.5 hours from Amsterdam, 4 hours from Berlin, 1.5 hours from Hamburg, 8 hours from Paris, 6 hours from Prague. And still I am never, very rarely or only every few months in those citys. Simply too far way. Not worth it. But HERE I’ll happily drive 8 hours starting on a late friday afternoon to spend 1.5 days in a national park on the other side of the state. I usually drive up the 2.5 hours to L.A. every few weeks. 5 hours to Death Valley? „lol, so close, let’s go there next week“. After experience the american distances you’ll realize how close everything is in Europe and how little you appreciate it. As soon as I am back I’ll disappear again for a few weekends 😉 

2 Gedanken zu “6 MONTHS AU PAIR IN THE USA – 6 THINGS I’VE LEARNED. SO FAR.

  1. Das mit den Entfernungen hab ich mir auch gedacht als ich wieder aus Amerika zurück kam. Hier ist alles so nah an einem dran und trotzdem fährt man nie hin 😀

    1. Jetzt denke ich mir was ne Verschwendung, ich hätte so viele geile Wochenenden in Amsterdam, Prag oder woauchimmer haben können anstatt nur Netflix zu gucken :'(

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