go eat a burger.

 

fghj

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Mein Papa ist 52 Jahre alt (glaube ich, hab aufgehört zu zählen), macht kein Sport, ist anti-vegan und pro „alles andere in Massen“. Meine Mutti hasst es mit ihm in Hotels mit Frühstücksbuffet zu gehen, weil er so lange isst, dass sie eigentlich gleich zum Mittagessen sitzen bleiben können. Und mein Papa hat ein Sixpack und dünnere Beine als Heidi Klum. Thigh Gap inklusive.

Genau wie mein Papa könnte ich einen (Soja)-Elefanten verspeisen ohne zuzunehmen. Ich bin genau wie er von Natur aus dünn. Sehr dünn. Und das wird mir gesagt. Schon seit ich denken kann. Als ich 11 war, war ich mit meinen Eltern in Prag, als ich und meine Mutti im Restaurant auf meinen Papa und meinen Bruder gewartet habe und ein älteres Paar an unserem Tisch stehen blieb um meiner Mutter zu sagen, sie solle mir doch mal bitte was zu essen geben. Ich war 14 als meine „Freundinnen“ mich fragten ob ich das Gruppenbild machen könnte, weil ich sowieso nicht auf den Foto sein könne, weil „neben dir sehen wir so fett aus!“. #notmyproblem Aus dem gleichen Grund kam unter ihnen die Diskussion auf, wer denn in der Stadt neben mir laufen sollte.

Wenn ich mit meiner Mutti unterwegs bin sagt sie mir immer wieder, dass Menschen mich anstarren. Mir wurde gesagt ich solle keine schwarzen Hosen tragen. Darin sehen meine dünnen Beine noch ekeliger aus. „Strich in der Landschaft“ sowieso. Wenn ich irgendwo neu bin ist es nur eine Frage der Zeit, bis jemand bemerkt „Du bist aber ganz schön dünn“. Scharf erkannt, Sherlock. „Nur Hunde spielen gerne mit Knochen“. „Wenn du dich seitlich drehst verschwindest du immer!“. Ich hab schon lange aufgehört zu zählen, wie oft Menschen mir geraten haben „Iss mal was!“. Meine Freundin Tabea ist noch dünner als ich, isst mehr als ich, macht weniger Sport  als ich, aber nimmt trotzdem genau so wenig zu wie ich – sie hat mal auf Facebook die Nachricht „Würdest du 5kg mehr wiegen würdest du hübscher sein“ bekommen. #userious? #nimmdumallieberanhirnzu

off to #berlin we go + sad looking corny pic

Ein von T A B E A (@tabeabs) gepostetes Foto am

Ich war nicht magersüchtig, ich war einfach so. Genau so wie Tabea.

Als ich mit 15 durch die Pille, Faulheit und viel McDonals ein paar Kilo zugenommen habe, aber durchaus noch normal oder schlank war, war das für meinen sonst so „magersüchtigen“ Körper so abnormal, dass mir, wenn auch meistens aus Spaß, gesagt wurde, dass ich fett geworden sei. Ob Spaß oder nicht, solche Worte sitzen, und solche Worte haben mich dazu gebracht dann tatsächlich eine Essstörung zu entwickeln und krankhaft zu dünn zu werden, ich habs aber schnell wieder geschafft zu meinem normalen, gesunden Gewicht zurückzukommen, worauf ich sehr stolz war. Seitdem höre ich aber doch wieder und immernoch „Heftig wie dünn du bist!“, „Kim, ich mache mir echt Sorgen um dich“, „Sieht schon irgendwie ekelig aus“. Zu dünn, magersüchtig, iss ’n Burger.

Und mit mir werden tausende, hunderttausende, wenn nicht sogar Millionen Frauen und Männer so betitelt, obwohl das einfach die Art unseres Körpers ist. Sei es Debi Flügge, Julia Wulf oder Stefanie Giesinger. Allen wird auf Instagram regelmäßig, teilweise sogar mehrmals unter jedem Foto, gesagt sie sollen doch mal bitte ’nen Burger essen. Immerhin sind sie ja offensichtlich krank. Sie sollten sich schämen, so ein krankes Beispiel für junge Mädchen zu sein. Nein, du solltest dich schämen, dass dein Hirn so arbeitet!

Ein von Julia Wulf (@juleslw) gepostetes Foto am

it’s time to go back to Miami! ☀️🌴 goodbye beautiful Key West @gateskeywest

Ein von Debi Flügge (@debiflue) gepostetes Foto am

Another shot from @lejannik for my @tezenisofficial collection 🐒💎

Ein von Stefanie Giesinger (@stefaniegiesinger) gepostetes Foto am

Niemand würde es wagen unter ein Foto von Farina Opoku (Novalanalove) „Iss mal weniger“ zu schreiben. Das ist auch richtig so. Farina ist normal und gesund. Genau so ist Debi normal und gesund, genau so ist Julia normal und gesund, genau so bin ich normal und gesund. Unser Körperbau ist nur unterschiedlich. Warum sollte es also okay sein uns deshalb zu beleidigen?

Es ist egal ob man jemanden zu fett, zu groß, zu klein oder zu dünn nennt, man sagt mir damit, dass etwas mit meinem Körper nicht stimmt. „Aber dünn ist doch keine Beleidigung“, nein ist es nicht, „fett“ ist auch keine Beleidigung, du hast aber nichts positives im Kopf wenn du’s benutzt um einen Menschen zu betiteln. Als was benutzt du denn „dünn“? „Öh, das ist ne Feststellung!“ Kleine Feststellung am Rande, mein Körper geht dich ’nen Dreck an!

„Eine echte Frau braucht Kurven“ dingdong, you’re wrong. Eine echte Frau braucht gar nichts. Eine echte Frau kann genau so sein wie sie sein will. Eine echte Frau braucht keinen fetten Arsch, eine echte Frau braucht keine dicken Titten, eine echte Frau muss nichtmal mit Vagina geboren werden.

Skinny Shaming existiert, Skinny Shaming tut genau so weh wie wenn jemand dich zu fett nennt. Fat Shaming existiert auch, beides ist falsch. Fun Fact: Jeder Körper ist unterschiedlich, „gesund“hat keine Kleidungsgröße. Fun Fact #2: Selbst wenn jemand „zu dünn“ durch Krankheit ist, ist es nicht in Ordnung das zu kommentieren. Glaub mir, das weiß derjenige schon.

„Aber all diese dünnen Weiber setzten doch voll unrealistische Vorbilder für junge Mädchen!“ dingdong, you are wrong again. Mädchen zu erzählen dünne Körper, oder dickere Körper, oder sehr muskulöse Körper sind falsch, Mädchen zu erzählen, dass es nur diesen einen richtigen Körper gibt (Fun Fact #3: sowas existiert nicht), DAS ist unrealistisch.

Ganz wilder Vorschlag: Hört doch mal bitte auf eure Zeit damit zu verschwenden die Körper anderer Menschen zu kritisieren! Sagt was nettes oder sagt gar nichts! Wenn ihr mich nicht auf dem Foto haben wollt, weil ihr Angst habt neben mir zu dick auszusehen, dann seid doch bitte mit euch unzufrieden, aber nicht mit mir. Wenn du findest meine Beine sehen in schwarzen Hosen ekelhaft aus, guck weg. Wenn du das nächste Mal deinen Finger auf der Tastatur findest um „das ist aber viel zu dünn!“ zu schreiben, dann nimm deinen Finger, halte ihn an deinen Kopf und sage „das ist aber viel zu dumm“.

Falls jemand mich sucht, ich geh jetzt ’nen Burger essen. Und danach dreh ich mich seitlich damit ich mit deinem Bullshit verschont werde.


My dad is 52 years old (I think, I stopped counting), doesn’t work out, is anti-vegan and pro „everything else and as much as possible“. My mum hates staying in hotels with a breakfast buffet with him because he eats so long that they could actually stay in their seats for lunch. And my dad has a sixpack and thinner legs than Heidi Klum. Thigh gap included.

Just like my dad I could eat a (tofu)-elephant without gaining a gram. Just like him I am naturally thin. Very thin. And people tell me that. Since as long as I can remember. When I was 11 I was in Prague with my parents, while my mom and I were waiting for my brother and dad in a restaurant an elderly couple stopped at our table to tell my mom she should give me something to eat. I was 14 when my girl „friends“ asked me to take the group photo since they don’t want me on the photo anyway because „we look fat next to you“. #notmyproblem same reason started a discussion about who should walk next to me in town.

Everytime I go to the mall with my mom she would tell me that people stare. I got told to not wear black pants. My stick legs would look even more disgusting in those. „When you turn to the side you disappear“. When I am new somewhere it’s only a matter of time until somebody points out „you are really thin“. Good eye, sherlock. I stopped counting long time ago how often people tell me to go eat something. My friend Tabea is even thinner than me, eats more than me, doesn’t work out as much as I do and still gains not a single pound like I do – she got a message on facebook reading „if you gained 10 pounds more you would be more beautiful“. #userious? #howaboutyougrowsomebrain

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Ein von T A B E A (@tabeabs) gepostetes Foto am

I didn’t have an eating disorder. Neither did Tabea.

When I was 15 and gained a few pounds because of the pill, laziness and lots of McDonals – but still was slim – it was apparently so unusual and abnormal for my otherwise so „anorexic“ body that some people started telling me I got fat. No matter if that’s a joke or not – words like those stay. And words like those made me develop a real eating disorder which actually made me sickly thin. But I got back to my normal weight. My normal body. Which is still so abnormal to people. „It’s insane how thin you are“, „I am worried about you“, „kinda disgusting“. Too thin, anorexic, go eat a burger.

And with me thousands, maybe even millions of women and men are titled like that, even though that’s just the way of our body. No matter if it’s Debi Flügge, Julia Wulf or Stefanie Giesinger. All of them get told to eat a burger in their comments on a regular basis. Sometimes even multiple times under every photo. They are obviously sick. They should be ashamed to be such sick role model for young girls. No, you should be ashamed your brain works like that!

Ein von Julia Wulf (@juleslw) gepostetes Foto am

it’s time to go back to Miami! ☀️🌴 goodbye beautiful Key West @gateskeywest

Ein von Debi Flügge (@debiflue) gepostetes Foto am

Another shot from @lejannik for my @tezenisofficial collection 🐒💎

Ein von Stefanie Giesinger (@stefaniegiesinger) gepostetes Foto am

No one would even dare to write „please eat less“ under a photo of Farina Opoku (Novalanalove). And that’s how it should be. Farina is normal and healthy. And so is Debi normal and healthy. And so is Julia. And so is Stefanie. And so am I. Only the shape of our body is different. So why should it be okay to call us out on it?

It doesn’t matter if you call someone too fat, too tall, too small or too thin, you tell me that something about my body is wrong. „But thin is not an insult!“ no it isn’t, so is fat, but you don’t have anything postive in mind when using it to describe a person, do you? So as what do you use „thin“? „eeh, that’s a statement!“ well, here’s another one: MY BODY IS NOT YOUR BUSINESS.

„real women need curves“ dingdong, you’re wrong. A real woman doesn’t need anything. A real woman can be exactly how and what she wants to be. A real woman doesn’t need a fat ass, a real women doesn’t need big boobs, a real woman doesn’t even have to be born with a vagina.

Skinny Shaming exists, Skinny Shaming hurts as much as being called fat. Fat Shaming exists, both is wrong. Fun Fact: Every body is different, „healthy“ doesn’t have a size. Fun Fact #2: Even if someone is „too thin“ because of sickness it is still not okay to point it out. Trust me, they know.

„But all those thin girls set unrealistic standards for young girls!!!“ dingdong, wrong again. Telling girls that thin bodies or bigger bodies or muscular bodys are wrong, telling girls there’s only this one right body (Fun Fact #3: something like that doesn’t exist), THAT is unrealistic.

Very wild suggestion: stop judging other peoples bodies! Say something nice or say nothing at all! If you don’t want me on your photo because you are afraid of looking fat next to me, then please be unhappy with yourself but not with me. If you thing my legs look disgusting in black pants, look away. When you find your fingers on your keyboard the next time about to write „that’s way too skinny“ take your finger, tap on your head and say „that’s way too stupid“.

If anyone needs me, I am over here eating a burger now, and afterwards I’ll turn to the side so I don’t have to put up with your bullshit.

4 Gedanken zu “go eat a burger.

  1. Ich gebe dir bzgl deiner Freundin Tabea und bzgl Julia und Steffi recht. Aber, so sehr ich deinen Text auch unterstütze, Debi ist never ever (!) gesund. Es mag verschiedenste Figuren geben und auch ich habe Freundinnen, die von Natur aus ganz ganz schlank sind. Aber die haben alle noch irgendwo eine Figur (was andere auch schon verneinen würden, aber sie haben tatsächlich eine). Bei Debi sieht man jeden Muskel und Knochen, das kann nicht natürlich sein. Schade, dass du – obwohl du vom Grunde her so recht hast – nicht ein wenig differenzierst. Zwischen Steffi und Debi liegen Weeelten..

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